Serge Lutens La Religieuse

Serge Lutens

La Religieuse

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Mal zart, mal animalisch, rein und fleischlich zugleich, gilt Jasmin zu Recht als eine der vielseitigsten und kostbarsten Noten der Parfümerie. Ehrfürchtig und blasphemisch zugleich zeichnet La Religieuse („die Nonne“) mit seinem Jasmin das Porträt einer Frau in ihrer ganzen Fülle, in dem Süße und Geborgenheit verborgenen Tiefen animalischen Verlangens weichen und schließlich der Freiheit. La Religieuse eröffnet mit einem gourmandigen Akzent: Frischer, leicht grüner Jasmin verbindet sich mit süßer, zuckriger Mimose und sanftem Weihrauch und ruft das Bild einer heiligen Dienerin Gottes hervor, rein in Hingabe und Absicht, Trost und Freude bringend für jene, die ihrer Obhut anvertraut sind. Doch mit der Entwicklung des Duftes lockt eine stärker animalische Zibetnote die andere Seite des Jasmins hervor, und wir begreifen, dass diese Frau ihre eigenen Wünsche hat, ihre eigenen Fantasien und ihre eigene Sehnsucht, dem Leben zu entkommen, das ihr gegeben wurde. Die Süße bleibt, doch der Weihrauch wirkt nun schmutziger, der Moschus sinnlicher. La Religieuse wird nie völlig roh und schmutzig, aber der Übergang ist aufregend deutlich spürbar: Unsere Heldin wird vielleicht nie ganz wild, doch sie gibt sich nicht länger damit zufrieden, irgendjemandes schweigende Braut zu sein.